verwehte-spuren
  Captain Samuel Wilkie McGowan
 

Captain Samuel Wilkie McGowan erhält nach über 76 Jahren sein korrektes Todesdatum.


Das Ahornblatt auf dem Grabstein als nationales Erkennungszeichen Kanadas und der kanadischen Streitkräfte.
 

Bei aufwendigen Recherchen stellte Mario Hoppe fest, dass bei Altenberge unter anderem ein kanadischer Soldat mit dem Todesdatum 28. März 1945 beigesetzt war. Dieser wurde am 6. August 1946 zum kanadischen Soldatenfriedhof in Holten (Niederlande) Grabfeld 12, Grabreihe H und Grabnummer 8 umgebettet. Bei dem kanadischen Soldaten handelte es sich um den 24-jährigen Captain Samuel Wilkie McGowan des  1st Canadian Parachute Battailons. Sein Spitzname war Sam.



Barettabzeichen des 1st Canadian Parachute Battalions.

Das 1st Canadian Parachute Battalion nahm unter anderem am 24. März 1945 an dem größten Luftlandeunternehmen “Operation Varsity“ während des 2. Weltkrieges teil. Das Bataillon war Teil der britischen 3rd Parachute Brigade, die der britischen 6th Airborne Division unterstellt war und landete im Bereich Hamminkeln. McGowan war der stellvertretende Kompaniechef der B Kompanie. Dadurch, dass kurz vor dem Flugzeugstart in Ostengland der eigentliche Kompaniechef Major Clayton E. Fuller nicht mehr an der Operation teilnehmen konnte, wurde McGowan zum Kompaniechef während der “Operation Varsity“ ernannt.

Bei der Luftlandung am 24. März 1945 hatte McGowan  einen großen Schutzengel, da sein Helm mit einem Einschussloch versehen wurde. Auf wundersame Weise drang der Schuss an der Vorderseite ein und ging dann am Innenrand herum und trat dann durch die Rückseite wieder heraus. Trotz einer daraus resultierenden starken Blutung befehligte McGowan seine Kompanie tapfer weiter. Das Bataillon hatte an diesem Tag insgesamt 25 gefallene Soldaten und viele weitere Verwundete zu beklagen. Auch einen Fallschirmsprung am 6. Juni 1944, (bekannt als D-Day) bei Varaville nordöstlich von Caen in Frankreich überlebte McGowan. Im Rang eines Lieutenants befehligte er dabei ein Platoon der C Kompanie. Er gilt als der erste kanadische Fallschirmjäger-Offizier, der über Frankreich absprang. An diesem Tag verloren 19 Soldaten des Bataillons ihr Leben gefolgt von vielen weiteren in den Folgetagen. Er nahm auch an der Schlacht um die Ardennen im Winter 1944/1945 teil.

Nach der Landung am 24. März 1945 hat die britische 6th Airborne Division den Befehl erhalten, möglichst schnell in Richtung Nordost vorzurücken und die wichtigen Brücken über die Ems bei Greven einzunehmen. Im Laufe des 28. März 1945 erreichte das 1st Canadian Parachute Battalion Lembeck, dort bezogen sie Verteidigungsstellungen am Ortsrand. Am 29. März 1945 war es tagsüber bewölkt und regnerisch. Der Einheit wurde die Gelegenheit gegeben sich von den vorausgegangenen Kämpfen der letzten Tage, die sehr Kräfte zerrend waren, etwas auszuruhen. Um 17:00 Uhr kam der Befehl, dass die Einheit bis 19:00 Uhr marschbereit sein muss, um mit Lastwagen nach Coesfeld verlegt zu werden. Um 19:30 Uhr wurde der Marschbefehl bis zum nächsten Morgen verschoben. Somit verbrachte die Einheit eine weitere Nacht in Lembeck.

Am 30. März 1945 war das Wetter klar und windig. Nach dem Frühstück wurden die Soldaten um 9:15 Uhr mit Lastwagen des britischen Royal Army Service Corps nach Coesfeld verlegt. In Coesfeld stiegen die Soldaten der A und B Kompanie auf Churchill Panzer des britischen 4th (Tank) Battalions The Grenadier Guards um und setzten den Vormarsch Richtung Greven über Billerbeck und Altenberge fort, bis schließlich am späten Abend Greven erreicht wurde. Für die Fallschirmjäger war dies ein besonderes Erlebnis, da sie zuvor noch nie auf Panzern mitgefahren waren. Die britischen Panzerbesatzungen waren positiv überrascht und lobten die kanadischen Fallschirmjäger, weil die Zusammenarbeit mit ihnen hervorragend funktioniert hat, obwohl die Fallschirmjäger keine Erfahrung mit dieser Art von Einsatz hatten.

Leider spielte sich kurz vor Altenberge ein tragischer Unfall ab. Die Panzerkolonne fuhr über die heutige L874 auf Altenberge zu, als es plötzlich (ungefähr auf Höhe Bauerschaft Kümper) eine Explosion mit einem lauten Knall gab. Sofort sprangen die kanadischen Fallschirmjäger von den Churchill Panzern ab und suchten Deckung, da sie davon ausgingen, dass sie beschossen wurden. Dann sahen sie das McGowan schwer verwundet auf dem Panzer lag und sie bemerkten schnell, dass sie gar nicht beschossen wurden. Es stellte sich heraus, dass McGowan zu nahe am Auspuff des Churchill Panzers saß und dass sich vermutlich durch die Hitze des Auspuffes eine Granate, die an seinem Gürtel befestigt war, versehentlich entzündet hat. Durch die Wucht der Explosion wurde McGowan fast in zwei Hälften gerissen. Seine Kameraden legten den schwerverletzten und halb bewusstlosen McGowan auf den Boden, dort hielt ihn sein guter Kamerad Sergeant Ronald Ford 'Andy' Anderson (4 Platoon, B Company, 1st Canadian Parachute Battalion) in seinen Armen bis McGowan in dieser Position verstarb. Zusätzlich hatte das Bataillon 5 Verwundete an diesem Tag zu beklagen. Dadurch, dass die Brücken bei Greven so schnell wie möglich erreicht werden sollten, konnte McGowan nur notdürftig am Straßenrand beerdigt werden. Sein Feldgrab wurde mit einem Gewehr und einem Helm markiert. McGowan war ein allseits beliebter und sehr erfahrener Soldat. Sein tragischer Tod war ein schwerer Schlag für die gesamte Einheit und löste große Trauer unter seinen Kameraden aus.



Grabstein
 von Captain Samuel Wilkie McGowan.


McGowan wurde am 22. April 1920 in Camelon (Falkirk) in Schottland​ geboren. Seine Eltern waren James McGowan und Elizabeth J. McGowan, die am 5. Dezember 1919 in Falkirk (Stirlingshire) in Schottland geheiratet haben. Später wanderten sie mit ihren beiden Kindern nach Kanada aus. Am 6. September 1941 heiratete McGowan in Rottingdean in England seine Frau Priscilla Frances Mary McGowan (geborene Cunningham). Sie lernten sich in England kennen, als McGowan zu diesem Zeitpunkt in Großbritannien stationiert war. Im Alter von 20 Jahren zog seine Ehefrau nach Kanada. Dort lebten sie gemeinsam in Winnipeg (Manitoba) in Kanada zusammen, bis McGowan wieder nach Großbritannien geschickt wurde. Seine Frau wurde am 23. Mai 1923 geboren und verstarb im Alter von 96 Jahren am 25. Januar 2020. Sie wurde im Kelowna Memorial Park Cemetery in Kanada beigesetzt. Am 2. April 1944 kam ihr gemeinsamer Sohn Michael David McGowan auf die Welt. Am 10. Oktober 1945 heiratete seine Frau in Kimberley in Kanada ihren neuen Lebensgefährten Douglas Stewart Corrie und nahm den Nachnamen Corrie an. Ihr neuer Ehemann wurde im Jahre 1911 geboren und verstarb am 18. Oktober 1991. Er liegt im gemeinsamen Grab im Kelowna Memorial Park Cemetery in Kanada begraben. Zusammen bekamen sie vier Kinder und adoptierten weitere drei Kinder.

McGowan hatte einen Bruder William Dawson McGowan geboren am 18. Januar 1924 in Schottland. Sein Spitzname lautete Bill. Er verstarb im Alter von 92 Jahren am 22. September 2016. Er war mit Doreen Margaret Mc Gowan (geborene Willson) verheiratet. Sie verstarb am 13. November 2003. Beide haben ihre letzte Ruhestätte auf dem Saint Vital Cemetery in Kanada erhalten. Sie hatten gemeinsam einen Sohn und eine Tochter. Er nahm ebenfalls am 6. Juni 1944 am sogenannten D-Day, die Landung der Alliierten in der Normandie im Rang eines Lieutenants teil. Er diente beim kanadischen 10th Armoured Regiment (The Fort Garry Horse), welches der kanadischen 2nd Armoured Brigade (Independent) unterstellt war. Mit dieser Einheit nahm er an den Vormarsch bis in die nördliche Spitze der Niederlande und Deutschland teil. Während dieser Zeit wurde er zum Captain befördert und kehrte nach dem Krieg nach Kanada zurück.

 

Am 19. August 1938 verpflichtete sich McGowan als lediger 18-jähriger Student für 3 Jahre Militärdienst beim kanadischen Princess Patricia’s Canadian Light Infantry Corps. Anschließend wurde seine Dienstzeit verlängert und er wurde am 8. Juli 1943 zum 1st Canadian Parachute Battalion versetzt.

Beförderungen McGowan:

Private,
Corporal am 21. Dezember 1939,
Orderly Sergeant am 15. Mai 1940,
Sergeant am 30.09.1940,
Second Lieutenant am 7. November 1942,
Lieutenant am 12. Dezember 1942,
Acting Captain am 21. September 1944,
Captain am 21. Dezember 1944

 Dienstorte McGowan:

1. September 1939 bis 21. Dezember 1939 in Kanada,

22. Dezember 1939 bis 7. Juli 1942 in Großbritannien,
8. Juli 1942 bis 23. Juli 1943 in Kanada,
24. Juli 1943 bis 5. Juni 1944 in Großbritannien,
6. Juni 1944 bis 30. März 1945 Einsätze auf dem Europäischen Festland in Frankreich, Belgien und Deutschland (zwischendurch Aufenthalte in Großbritannien)


 
Auszeichnungen McGowan:


Beispielfoto der Ordenstypen, die McGowan verliehen wurden.


1939-45 Star,

France - Germany Star,
War Medal, 1939-45,
Defence Medal,

Canadian Volunteer Service Medal with Clasp

Weil McGowan im Einsatz gefallen ist wurde jeweils an seine Ehefrau und Mutter das Memorial Cross ausgehändigt.

 

Durch die unübersichtliche Lage wurde anscheinend sein Todesdatum in den offiziellen Unterlagen falsch aufgenommen. Mario Hoppe erkannte, dass das Todesdatum 28. März 1945 niemals stimmen konnte, da McGowan in Altenberge beigesetzt war und seine Einheit erst am 30. März 1945 Altenberge erreichte. Des Weiteren war  McGowan auch nicht in Kriegsgefangenschaft geraten, so konnte er unmöglich am 28. März 1945 in Altenberge gewesen sein. Somit stellte Hoppe seine recherchierten Erkenntnisse zusammen und schickte diese zur Commonwealth War Graves Commission (CWGC) mit der bitte um die Änderung des Todesdatums auf den 30. März 1945. Die CWGC ist unter anderem für den kanadischen Soldatenfriedhof in Holten zuständig.

Am 8. Februar 2021 kam die erfreuliche Antwort, dass die CWGC die zusammengestellten Erkenntnisse überprüft hat und diesen auch zustimmt. Dies hatte zur Folge, dass in der Datenbank der CWGC wie auch auf dem Grabstein das Todesdatum auf den 30. März 1945 korrigiert wurde.

 


CWGC Datenbank vor der Korrektur.




CWGC Datenbank nach der Korrektur.

 

Seitdem trägt sein Grabstein folgende Aufschrift:

CAPTAIN
S. W. McGOWAN
1ST CANADIAN
PARACHUTE BATTALION
30TH MARCH 1945
+


Grabstein von Captain Samuel Wilkie McGowan mit dem korrigierten Todesdatum.



Eine sehr kleine Impression des kanadischen Soldatenfriedhofs in Holten.



Eine weitere sehr kleine Impression des kanadischen Soldatenfriedhofs in Holten.


Somit hat McGowan nach über  76 Jahren sein korrektes Todesdatum erhalten. McGowan hinterließ seine Frau Priscilla und seinen einzigen Sohn Michael, den er bedauerlicherweise nie getroffen hat.


Fotos und Zeitungsberichte zu Captain Samuel Wilkie McGowan befinden sich auf der folgenden Internetseite:

https://www.veterans.gc.ca/eng/remembrance/memorials/canadian-virtual-war-memorial/detail/2227590

Dort ist unter anderem auch ein Foto des Grabsteines vor der Korrektur abgebildet.


Weitere Informationen über den kanadischen Soldatenfriedhof in Holten gibt es unter folgenden Link:

https://verwehte-spuren.de.tl/Holten.htm

 

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